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Thorben Eggers

EXPONATE

 

 

Thorben Eggers’ Malereien entstehen zunächst im ersten Schritt am Computer. Algorithmen von Bildverarbeitungsprogrammen nehmen Bildverschiebungen vor und schaffen durch sich digital überschneidende Fenster zerstückelte und komprimierte Bilder, die der Künstler dann auf die Leinwand in Ölfarbe überträgt. Dies geschieht also zunächst ohne das Zutun einer menschlichen Intervention. Die Programme versuchen die Bildversatzstücke möglichst harmonisch zusammenzufügen, wobei teilweise Fehler entstehen, die den Künstler reizen. Interessanter Weise übernimmt (vorrangig) also eine künstliche Intelligenz den originären Bild-Schaffensprozess und nicht der Künstler.

Diese Ergebnisse und Kompositionen werden dann malerisch auf einer - shaped canvas - (geformte Leinwand) übersetzt und haptisch erfahrbar macht. Die Verschiebungen setzen sich also im realen Raum mittels der Entgrenzung der Leinwand fort. Das Fragmentarische taucht also nicht nur im Bild auf, sondern das klassische Bildformat wird auch durch diese Zuschnitte erweitert und dabei Begriffe von „Kreativität“ und „Bildobjekt“ neu hinterfragt, wie der Künstler sagt.

Seine Oberflächen bleiben dabei häufig sehr clean und nüchtern.

Eggers untersucht die Möglichkeiten von Malerei in Zeiten allgegenwärtiger digitaler Bildproduktion und -manipulation. Er setzt sich mit Fragen wie „Was ist überhaupt ein Bild oder Ein kreativer Prozess im digitalen Zeitalter?“ auseinander.

Die Digitalisierung führt in den meisten Fällen zur Standardisierung, Optimierung oder Automatisierung von Prozessen und wir bilden nur inszenierte Ausschnitte der Realität z.B. in unseren Fotos und Selfies ab. Da bleibt die Frage, die sich auch Thorben Eggers stellt: „Was zeigen die Fotos überhaupt und wie beeinflusst die digitale Medienwelt unsere Wahrnehmung?“ Die Digitalisierung fördert gerade durch Automatisierung das menschliche Bedürfnis nach Authentizität – beispielsweise in Form der Selfies oder die Inszenierung via Instagram, erklärt Thorben Eggers. Seine Malerei versucht dieses Spannungsfeld zwischen Objektivität und Individualität zu thematisieren, indem er digital bearbeitete Bilder mit Öl auf Leinwand umsetzt. Dabei bestechen sie häufig durch kräftige Farbkompositionen und -kontraste und zuletzt durch Interior Aufnahmen, die räumliche Verortungen im digitalen Zeitalter hinterfragen.

Short Bio:
Thorben Eggers (*1988 in Flensburg) lebt und arbeitet in Hamburg. Er hat an der Kunstakademie Düsseldorf als Meisterschüler von Eberhard Havekost studiert und an der Akademie der bildenden Künste Wien (Meisterklasse Erwin Bohatsch) sowie Philosophie an der Universität Duisburg-Essen. Seine Werke wurden in Einzelausstellungen bei CK Offspace, Leipzig, Coelner Zimmer, Düsseldorf, Tatjana Pieters Gallery, Gent, Kunstverein Flensburg – Kunst und Co, Flensburg, Kunstakademie Düsseldorf, Düsseldorf und Kunsthaus Mettmann, Mettmann bei Düsseldorf gezeigt. Gruppenausstellungen umfassen u.a. Shin Haus / Shin Gallery, New York, Salon der Gegenwart 2020, Alter Wall, Hamburg, Kunstverein Mönchengladbach MMIII, Mönchengladbach, Krefelder Kunstverein, Krefeld, Kunsthaus Freiburg, Freiburg, und marres house for contemporary culture, Maastricht.
Seine Arbeiten befinden sich in Sammlungen von Julia Stoschek Collection, Berlin/Düsseldorf, Dr. Dildei Foundation, Oberursel und Henkel Collection, Düsseldorf. 2021 wurde er für den Hans Purrmann Preis 2021 des Kunstvereins Speyer - Flachsgasse, Speyer nominiert.

Text: Kirsten Eggers

Foto: Gregor Guski

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