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Janka Zöller

EXPONATE

 

 

Janka Zöllers Malereien zeigen alltägliche Szenen von Menschen bisweilen inklusive ihrer selbst. Allzu vertraute Motive von Freunden und Freundinnen im Urlaub, dem Glas Wein an lauen Abenden, am Strand oder Pool im Liegestuhl, beim Gespräch, Sonnenbaden, Spazierengehen oder Faulenzen.

Zum Teil sind die Szenen sehr intim, sei es auf Grund der Interaktion der Menschen miteinander oder weil bestimmte Körperausschnitte aus nächster Nähe gezeigt und Winkel gewählt werden, die eigentlich nur ein:e Liebhaber:in oder Freundin einnehmen kann. Doch der Blick ist kein voyeuristischer.

Die Szenen wirken auf den ersten Blick sehr beiläufig - wie ein spontaner Schnappschuss mit dem Fotoapparat oder Handy. Das Handy selbst taucht mal implizit oder explizit im Bild auf: Es lugt aus Taschen hervor, wird in der Hand gehalten oder wirft Schatten beim vermeintlichen Selfie der Protagonist:innen.

Das Inszenieren des Zufälligen, des Spontanen und Beiläufigen kennen wir aus Selfies von Instagram oder anderen neuen, digitalen Medien und Plattformen. Es führt zum Schaffen eines neuen, kollektiven digitalen Bilderkanons, dem man folgt - ob mit Absicht oder unbewusst - besonders bei der eigenen Selbstinszenierung. Wir schaffen damit täglich eine eigene neue Bildwirklichkeit.

Zöller lenkt also in Ihrer Malerei den Blick auf das fotografisches Konstrukt. Sie stellt in den Fokus wie inszeniert meist unsere alltägliche Welt ist und schafft eine malerische Wiedergabe unserer digitalen Bildwelt. Es wirkt im Ansatz wie Genremalerei, jedoch absolut zeitgemäß übersetzt ins 21. Jahrhundert und seinen durch social media geprägten Bilderkanon.

Das Flüchtige in Öl auf Holz oder Leinwand erscheint dabei als kluger (vermeintlicher) Widerspruch zwischen Motiv und gewählter Technik. Das erzeugt Spannung und motiviert den Betrachter sich selbst beim Schauen zuzuschauen bzw. ihn darüber zum Nachdenken anzuregen. Sie geht also der Frage der Repräsentation von Wirklichkeit nach und forscht in ihrer Malerei und ihren Sujets gesellschaftlichen Prozessen der Produktion wie des Konsums von Bildern nach. Gleichzeitig gelingt es Zöller aber, dem dem Kunstwerk seine „Aura“ zu bewahren, deren Verlust Walter Benjamin ja beklagte oder zumindest in Gefahr sah in „Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit“ durch neue Medien wie die Fotografie.

Short Bio:
Janka Zöller (*1989 in Bruchsal) lebt und arbeitet in München. Sie hat Malerei an der Akademie der bildenden Künste München bei Prof. Karin Kneffel (Meisterschülerin bei Prof. Karin Kneffel) und zuvor an der Hochschule für Graphik und Buchkunst Leipzig studiert. 2013 erhielt sie ein Erasmusstipendium für den Aufenthalt an der Kuvataideakademia in Helsiniki, Finnland. Ihre Werke wurden in Ausstellungen bei der Münchner Bank, München, der König Galerie, Berlin, Kunstraum Ortloff Leipzig, Hubert Burda Media München, CoMa Gallery München, Galerie Cyprian Brenner Schwäbisch-Hall, Galerie im Gustav-Siegle-Haus Stuttgart, Ausstellung Klasse Kneffel in der katholischen Akademie in Bayern, München Optimolwerke München, Gig, München, Tapetenwerk Leipzig, Braun Falco Galerie München und Kaikua-Galleria Helsinki gezeigt.

Text: Kirsten Eggers

Foto: Janka Zöller

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